Das kleine Kind braucht mehr Aufmerksamkeit

Über das kleine Kind wird oft wenig gesprochen. Dabei ist gerade diese erste Lebenszeit besonders wichtig.

Wie bewusst nehmen wir die kleinen Kinder in unserer Umgebung wahr? Wie bewusst unsere eigenen? Kennen wir ihre Bedürfnisse? Erkennen wir sie? Was lösen diese Fragen bei euch aus? Es lohnt sich, einmal ehrlich darüber nachzudenken.

Das kleine Kind hat doch noch Zeit – oder?

Oft hören wir Sätze wie:

“Es ist ja noch klein, Es hat noch Zeit.”

“Da muss man noch nicht so viel machen.”

“Später wird es wichtig.”

“Es versteht ja noch nicht viel.”

Doch gerade in den ersten Lebensjahren entwickelt sich ein Kind so schnell wie nie mehr im Leben. In dieser Zeit werden wichtige Grundlagen gelegt – für Vertrauen ins Leben, Bindung und Beziehungen zu Eltern, Geschwister und Mitmenschen. Wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung.

Warum ist diese Zeit manchmal so anstrengend?

Viele Eltern kennen Gedanken wie:

Mein Kind schläft schlecht.

Es weint, nörgelt oder schreit viel.

Es möchte ständig bei mir sein.

Es fordert meine ganze Aufmerksamkeit.

Es kann sich kaum alleine beschäftigen. usw.

 

Das kann sehr belastend sein.

Doch vielleicht ist das kleine Kind gar nicht das Problem. Vielmehr zeigt es uns unsere eigenen Grenzen auf. Es macht sichtbar, wo wir müde, gestresst oder überfordert sind.

Das Kind braucht uns um ganz im Leben anzukommen. Es erlebt vieles zum ersten Mal, so wie wir als Eltern oder Bezugspersonen auch. Das kann Unsicherheiten und Versagensängste auslösen. Unsicherheit braucht wieder Sicherheit, für beide. Wie schön wäre es jemanden dann um Rat oder Unterstützung bitten zu können! Heisst es nicht, es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind grosszuziehen?

Auch kleine Kinder haben Bedürfnisse

Ein kleines Kind kann seine Bedürfnisse noch nicht mit Worten ausdrücken. Es zeigt sie durch sein Verhalten.

Es braucht Nähe, Sicherheit, Trost, Zeit, Aufmerksamkeit und liebevolle Begleitung und vor allem Da-sein.

Die Frage ist nicht, ob es diese Bedürfnisse gibt. Die Frage ist vielmehr:

Sehen wir sie? Geben wir ihnen Raum? Oder erwarten wir, dass das Kind sich an unsere Welt anpasst?

Kinder halten uns einen Spiegel vor

Wer mit kleinen Kindern lebt oder arbeitet, merkt oft, dass sie etwas in uns berühren.

Sie erinnern uns manchmal an unsere eigene Kindheit – an schöne, aber auch an schwierige Erfahrungen. Unsere eigenen Verletzungen oder ungelösten Themen können wieder spürbar werden.

Das ist nicht ungewöhnlich. Jeder Mensch trägt kleinere oder grössere Wunden aus seiner Kindheit in sich.

Kinder halten uns dabei oft einen Spiegel vor. Durch ihre Bedürfnisse werden wir eingeladen, auch auf uns selbst zu schauen.

 

 

Die ersten Jahre prägen

Ein kleines Kind ist offen, neugierig und verletzlich. Es lernt durch jede Erfahrung.

Deshalb braucht es in dieser Zeit Schutz, Geborgenheit und Erwachsene, die aufmerksam und liebevoll begleiten und authentisch sind.

Die ersten Schritte im Leben hinterlassen Spuren. So wie der erste Kratzer auf einem neuen Tisch besonders auffällt, sind auch die ersten Erfahrungen eines Kindes besonders prägend.

Unterstützung darf selbstverständlich sein

Viele Schwierigkeiten in Beziehungen haben ihren Ursprung in den ersten Lebensjahren. Manche alten Verletzungen werden erst sichtbar, wenn wir selbst Kinder haben. Sie kommen wie aus den Nichts. Plötzlich wird alles zu viel. Wir sind gestresst und reagieren impulsiv gegen Kind und Partner/in, manchmal auch zu hart. Nachher plagen uns Schuldgefühle.

Deshalb kann es sehr hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen.

In der Psychologischen Beratung können belastende Themen angeschaut und verarbeitet werden. In Eltern-Kind-Gruppen können Eltern gemeinsam mit ihren Kindern neue Erfahrungen machen, alte Muster erkennen und neue Wege im Miteinander einüben.

Davon profitieren nicht nur Familien mit grossen Problemen. Jede Familie kann daraus etwas Wertvolles mitnehmen.

Denn eine gute Begleitung beginnt nicht erst dann, wenn etwas schwierig wird – sondern schon viel früher.

 

Habt ihr Fragen zu diesem Thema, braucht ihr Unterstützung oder möchtet ihr eure Gedanken mit mir teilen? Dann schreibt mir. Ich freue mich auf den Austausch